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Kreidezähne – ein größeres Problem als Karies

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – im Volksmund „Kreidezähne“ – sind für Kinder oft ein größeres Problem als Karies. Ein frühes Erkennen und eine individuelle Behandlungsstrategie sind entscheidend, hoben KZV und BARMER Hessen in einem Pressegespräch in Frankfurt hervor.

"Bezogen auf die Mundgesundheit und die Lebensqualität der Kinder ist MIH mittlerweile ein größeres Problem als Karies in der Altersgruppe der 12-Jährigen", beschrieb Prof. Dr. Dr. Norbert Krämer, Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde, Justus-Liebig-Universität Gießen, das Problem bei einem Pressegespräch der KZV und der BARMER Hessen am 29. Juni in Frankfurt am Main.

MIH bei Milchzähnen erhöht das Risiko für bleibende Zähne

Krämer: "Wenn bereits Milchzähne von der Erkrankung betroffen sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die bleibenden Zähne MIH haben, um rund 11 Prozent erhöht." Auch für Zahnärzte sei es manchmal schwierig, zu erkennen, ob ein Kind unter MIH leidet.

Laut Krämer zeigen aktuelle Studien aus Deutschland, dass im Durchschnitt etwa zehn bis 15 Prozent der Kinder an MIH leiden. Krämer verwies auf die letzte DMS V-Studie zur Mundgesundheit aus dem Jahr 2016. Dort wurde über knapp 30 Prozent der 12-jährigen Kinder berichtet, die diese Strukturanomalie haben. Bezogen auf die Mundgesundheit und die Lebensqualität der Kinder sei MIH mittlerweile ein größeres Problem als Karies in dieser Altersgruppe, so Krämer. Aktuellere Erhebungen in Hessen zeigten jedoch eine geringere Prävalenz der MIH. Krämer nannte dazu folgende Zahlen: In Hessen lag der Anteil in Frankfurt bei den 8- bis 10-Jährigen bei 17,4 Prozent, im Lahn-Dill-Kreis bei etwa 10 Prozent.

Kreidezähne sind anfälliger für Karies

Schmerzen beim Zähneputzen, Essen oder Trinken - das sind den Experten zufolge oft die Folgen für Kinder mit MIH. Außerdem sind die betroffenen Zähne anfälliger für Karies. Die Ursachenforschung für die Erkrankung sei jedoch noch lange nicht abgeschlossen. "Zwar wissen wir über die Ursachen für die MIH nach wie vor wenig", erklärte Stephan Allroggen, Vorstandsvorsitzender der KZV Hessen. "Was wir aber wissen: Mit frühzeitiger zahnärztlicher Vorsorge können auch "Kreidezähne" erhalten werden. Umso wichtiger ist es, Eltern frühzeitig über MIH zu informieren und ihnen zu empfehlen, was sie tun können."

Obwohl es keine ursächliche Prävention für MIH gibt. sind Eltern und Kinder diesem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert, lautete Allroggens Botschaft. Allroggen: "Damit betroffene Kinder unbeschwert aufwachsen, lernen und spielen können, sind ein frühes Erkennen und eine individuelle Behandlungsstrategie entscheidend."

Wichtig ist die zahnärztliche Früherkennung

Die zahnärztliche Früherkennung könne dabei maßgeblich helfen: Zahnärztliche Untersuchungen schon bei Babys und Kleinkindern seien nicht nur wichtig, um Kinder mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu erkennen, sondern auch, um Eltern frühzeitig für die Mundgesundheit ihres Kindes zu sensibilisieren. Dazu gehöre neben einer frühen Wissensvermittlung über die verschiedenen Entwicklungsstufen des Gebisses auch das Heranführen der Eltern an die altersgerechte Zahnpflege. "Wir Zahnärzte sehen es als unsere Aufgabe, die Eltern dabei zu unterstützen, Unsicherheiten abzubauen und Mundgesundheitskompetenz zu vermitteln", sagte der KZV-Vorsitzende.

Fünf Prozent der hessischen Kinder betroffen

Martin Till, Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen, zitierte aus dem Zahnreport 2020 der Krankenkasse: "2018 waren laut Report fünf Prozent der hessischen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren von MIH betroffen - das sind mehr als 19.800 Personen." Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren es sieben Prozent. Im Nachbarland Thüringen hatten acht Prozent der untersuchten Kinder "Kreidezähne".

Wie der Zahnreport ergab, sind viele zahngesundheitliche Belastungen auf eine sehr kleine Gruppe sehr junger Menschen konzentriert, berichtete Till weiter. Der Schutz dieser Risikogruppe sei für die BARMER von zentraler Bedeutung. Till: "Wir appellieren deshalb an Eltern und Erziehende, die vorgesehenen Routineuntersuchungen für Kinder und Jugendliche noch stärker zu nutzen, um frühzeitig Erkrankungen und Entwicklungsstörungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich zu erkennen."

Quelle: ZM-Online